Dienstag, 20. Mai 2008

Von Euphemismen und anderen Boykott-Strategien

Glücklich-selbstgefällige Elterngesichter, endlich zahlen sich die Erziehungsmühen aus, die Kinder sind politisiert! Politisches Bewusstsein, das sich im Alltagsverhalten zeigt, bei 16jährigen Gymnasiastinnen; wer hätte es zu hoffen gewagt, dass Menschenrechte schließlich siegen über die Konsumlust. Bei H&M werden keine T-Shirts "made in China" mehr gekauft, aus wahrscheinlich tief empfundener Solidarität mit den Tibetern. Stattdessen werden vom Taschengeld nur noch Shirts bezahlt, die "made in Bangladesh" oder "made in India" sind - das ist nachhaltiges Konsumverhalten. Da wird sorgfältig abgewogen, dass man besser aufrecht neben dem tibetischen Bauern steht, als neben dem indischen Kind, dessen Lungen in der Textilfabrik kaputt gehen und das leider Arbeitszeiten hat, die mit dem Schulbesuch nicht in Einklang zu bringen sind. Was soll´s, Prioritäten muss der Mensch setzen. Und große Begriffe im Munde führen muss er können, damit sein Anliegen auch wahrhaft ernst genommen werden kann. "Menschenrechte" eignet sich als Schlagwort da schon ganz gut, "soziale Gerechtigkeit" kommt in Deutschland auch nicht schlecht an. Denn das - so ein bisschen soziale Gerechtigkeit - wird man sich doch wohl noch guten Gewissens wünschen können vom Staat, da haben doch alle was von. Gerechtigkeit ist ein schöner Euphemismus für Wohlstandssicherung, denn das, was wir besitzen soll uns der Staat schützen, uns soll er schützen, damit wir das, was wir haben, mehren können. Und wenn wir nichts haben? Dann spielt "Gerechtigkeit" schon noch eine Rolle, aber ein Migrationshintergrund... der ist da nicht gerade hilfreich. Da kommen wir doch alle viel besser damit klar, bei H&M unser Weltweit-Gerechtigkeits-Statement zu setzen. Vielleicht mit einem Che-Guevara-Print-Shirt aus Bangladesch für 7,90? Gottseidank müssen wir das nicht dem 8jährigen in der Fabrik erklären.

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